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Er lebte zwischen 1245/50 und 1315. Er wurde in Bozen geboren, möglicherweise auf dem Heinrichshof, und er verdiente sich als Tagelöhner auf den Feldern der Bauern. Auf einer Pilgerreise nach Rom machte er mit seiner Familie zunächst in Biancade und dann in Treviso Halt und entschied sich dann dort zu bleiben, als frommer, asketisch lebender Arbeiter, der sich schon bald das Wohlwollen der Bevölkerung von Treviso verdiente. So viel weiß man über das Leben des Heinrich von Bozen.

Als er starb, ertönten die Glocken der Stadt und die meisten Bürger*innen eilten zur Kathedrale, wo man den Toten aufgebahrt hatte. Tagelang bewachte man den Sarg, und von überallher, aus Brescia, Chioggia, Feltre, Ferrara, Padua, Perugia, Venedig, oder Verona, kamen die Menschen zusammen, um am Grab zu beten. Kurz darauf kam es zu ersten wundersamen Ereignissen, und Stadt und Kirche beschlossen gemeinsam, eine Kapelle zu Ehren des Verstorbenen zu errichten, außerdem Leben, Tugenden und Wunder aufzuschreiben und Gesandte nach Avignon zu schicken, um den Papst um eine offizielle Heiligsprechung zu bitten. Erst über 400 Jahre später, 1750, wurde Heinrich von Bozen durch Papst Benedikt XIV. seliggesprochen. 1759 bekam Bozen mit Approbation des Domkapitels von Treviso und des Senats von Venedig Reliquien des Seligen zugesprochen. Vielfach überliefert ist, dass diese Reliquien von der Loretokapelle weg, die damals an der Eisackbrücke stand, in feierlicher Prozession und unter Teilnahme der Bozner Stände zur Pfarrkirche gebracht wurden. Hier beginnt die Geschichte Heinrichs von Bozen als Patron der Stadt.

Auf der „Bilderburg“ Runkelstein hat man den Seligen Heinrich wiederentdeckt: in minutiöser Arbeit Objekte und Dokumente gesammelt, die sich mit der Beziehung des Seligen zu seiner Stadt Bozen auseinandersetzen. Passend zum Ort, der mittelalterlichen Burg in majestätischer Lage über dem Eingang zum Sarntal, wollen die Kuratoren auch den Zusammenhang von Runkelstein als bedeutende Burg der Bozner Bürger*innen darstellen und in diesem Kontext den Seligen Heinrich als ihren Patron hochleben lassen, gemeinsamen mit der Tradition seiner Verehrung über die Jahrhunderte.
Die Ausstellung „Tugend. Zeichen. Wunder“ bleibt vom 11. Juni 2022 bis zum 8. Jänner 2023 geöffnet. www.runkelstein.info

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Im Bild ein Ausschnitt aus der „Reliquienprozession“ (Translation der Reliquie des Seligen Heinrichs) aus dem Jahr 1730 von Josef Anton Cuseth. Das Original hängt in der Bozner Domschatzkammer am Pfarrplatz hinter dem Bozner Dom – geöffnet Di-Sa von 10 bis 12.30 Uhr. Eine Kopie befindet sich in der Heinrichskapelle beim Heinrichshof in der Selig-Heinrich-Straße 36.