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Die größten Festivals aus der Tradition des Bozner Sommers inspirieren 2022 zum Nachdenken über wirre Zeitläufe.

Nach zwei Jahren globaler Pandemie und vor allem nach den Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine besteht kein Zweifel daran, dass viele von uns Unterhaltung um der Unterhaltung willen als unangemessen empfinden. Doch wir dürfen nicht vergessen, dass Kunst und vor allem die Musik schon immer dazu fähig waren, nicht nur unsere Wirklichkeit zu interpretieren und damit aufzuschlüsseln, sondern sich für eine universelle Kommunikation zwischen Völkern und Nationen einzusetzen. Bozen hat damit viel Erfahrung: Die Bozner Neigung zur Musik ist mit der Opulenz des sommerlichen Veranstaltungskalenders gewachsen.

Jahrzehntelang schon begeistert Bozen tanzt Bolzano danza nicht nur Profis aus dem Sektor. Die Großveranstaltung will Grenzen abbauen im übertragenen, aber auch im tänzerischen Sinn - Grenzen zwischen der Danse d’Ecole und der Improvisation, zwischen klassischen und zeitgenössischen Tanzstilen. Der diesjährige rote Faden wird vom Begriff „Corps Extrêmes“ (extreme Körper) bestimmt, der sein Facettenreichtum vom 13. bis zum 19. Juli an verschiedenen Orten der Stadt ausbreitet. Geprägt hat den Begriff, auch Titel einer Darstellung, Rachid Ouramdane, Choreograf und aktueller Direktor der Pariser Spielstätte Théâtre de Chaillot. Es geht u.a. darum, Gravitätsgesetze mit dem menschlichen Körper herauszufordern.

Die Brücke zu Krieg und Verwüstung spannt auch der Busoni-Klavierwettbewerb in seiner 2022-Ausgabe. So ist eine besondere Einladung an junge Künstler:innen aus der Ukraine, Russland und Weißrussland erfolgt. Die Organisatoren wollen damit ein deutliches Zeichen für den Frieden setzen und die positive „Gewalt der Musik“, ihre emotionale Macht voranstellen. „Sowohl in seinen Anfängen in der Nachkriegszeit im 20. Jahrhundert als auch heute will der Busoni-Wettbewerb den Dialog und den Friedensprozess in Europa festigen, die Kooperation und Wertegemeinschaft stützen“, unterstreicht man in Bozen. Im Rahmen des Bolzano Bozen Festivals rund um Busoni und die Gustav Mahler Akademie hat man für den 1. September ein Highlight geplant, das die ukrainischen Musiker Illia Ovcharenko, Roman Lopatynskyi und Antonii Baryshevskyi nach Bozen holt, mit einer Hommage an den Ausnahmepianisten aus Kiew Vladimir Horowitz (+1989). Musik wird damit zur Botschafterin eines erneuerten Vertrauens in die Zukunft. Das Festival-Programm im Zeichen der klassischen Musik wird am 30. Juli im Semirurali-Park eröffnet (bei Schlechtwetter im Konzerthaus in der Dantestraße), mit dem Haydn Orchester und der jungen italienischen Gastdirigentin Beatrice Venezi. Bis zum 9. September verzaubert die Musik, u.a. die Mahler Academy Orchestra, das Gustav Mahler Jugendorchester und die European Union Youth Orchestra die Herzen der Musikliebhaber:innen.

Auch der Jazz und die Weltmusik werden in Bozen nicht nur den Sommer hochleben lassen, sondern auch ihren Beitrag zum Verständnis der Zeitläufe unter Beweis stellen. Das Südtirol Jazzfestival beginnt mit einem Südtiroler Ausnahmetalent, Ruth Goller, Bassistin aus Brixen mit Wahlheimat in London, die am 24. Juni mit einer Band auftreten wird. Sie ist imstande, die Vielfalt Europas darzustellen. Südtirol in der Welt symbolisiert auch der Auftakt der Klangfeste am 23. Juni auf Schloss Runkelstein, mit dem auf Ladinisch singenden Frauen-Trio Ganes und ihrem neuen Projekt „Or brüm“ (blaues Gold).

www.bolzanodanza.it
www.suedtiroljazzfestival.com
kulturinstitut.org – Klangfeste-Programm
www.busoni-mahler.eu – Bolzano Festival Bozen