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Das verborgene Potenzial im Trester

Forscher im NOI Techpark gewinnen im Rahmen des Projekts „Sustain“ aus Traubenresten Moleküle, die gegen Alzheimer und Parkinson wirken könnten.

Bei der Herstellung von 100 Litern Wein entstehen etwa 30 Kilogramm Trester – also Traubenschalen, -kerne und -stiele. Genutzt wird er als Dünger oder für die Produktion von Destillaten. Doch im vermeintlichen Abfallprodukt stecken zahlreiche bioaktive Substanzen, die auch außerhalb der Agrarindustrie eingesetzt werden können – unter anderem in der Medizin. Genau daran arbeitet das Forscherteam rund um Universitätsprofessor Emanuele Boselli, der das Oenolab im Forschungszentrum NOI Techpark in Bozen leitet.

Mittels hochauflösender Kernspinresonanz werden dort Moleküle aus den Traubenresten untersucht. Besondere Aufmerksamkeit widmet Alberto Ceccon, der Leiter des NMR-Labors, den Polyphenolen. „Diese sekundären Pflanzenstoffe sind sehr gesund und werden in vielen Bereichen eingesetzt“, erklärt der Forscher. Das Projekt „Sustain“ hat es nun ermöglicht, jene Moleküle innerhalb der Polyphenole herauszufiltern, die eine besonders hemmende Wirkung auf Amyloid-Proteine haben. „Diese Proteine sind an verschiedenen neurodegenerativen Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson beteiligt“, beschreibt Ceccon. Im Umkehrschluss könnten bestimmte Stoffe, die vor allem in Trieben, Schalen und Kernen der Traube enthalten sind, der Alterung des Gehirns entgegenwirken. Erste erfolgversprechende Ergebnisse wurden nach einem Jahr Tätigkeit in In-vitro-Tests bereits erzielt. Nun gilt es, in Zusammenarbeit mit der Università Politecnica delle Marche auch In-vivo-Versuche – also Tests an Zellkulturen – durchzuführen.

Um große Mengen an Traubentrester aufnehmen und lagern zu können, haben sich die Universität Bozen und das Versuchszentrum Laimburg im Sommer erfolgreich mit dem Projekt „Zero Residue“ an einem Aufruf des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) beteiligt : „Im Jänner haben wir nun mit der Planung einer geeigneten Infrastruktur begonnen, die das Zuliefern der Traubenreste sowie von weiteren Lebensmittelnebenprodukten ermöglicht“, blickt Professor Boselli in die Zukunft. Wenn aus dem Abfallprodukt im Sinne der Kreislaufwirtschaft aktive Moleküle gewonnen und medizinisch genutzt werden können, haben sich die Anstrengungen der Forscher mit Sicherheit gelohnt.

Bildtext: Emanuele Boselli, der Leiter des Oenolab (links im Bild), und Alberto Ceccon,der  Leiter des Labors für NMR-Spektroskopie des Versuchszentrums Laimburg, vor den Geräten, mit denen die Polyphenole extrahiert, analysiert und einem Magnetfeld ausgesetzt werden.

Foto: Ursula Pirchstaller