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Die Hüter(innen) des St. Magdalener

Wie Winzerinnen und Winzer das Schutzkonsortium St. Magdalena prägen und einen Bozner Traditionswein weiterentwickeln.

Wer sich von Norden der Stadt Bozen nähert, erlebt einen Moment, der sich einprägt: Die Berge öffnen sich, und plötzlich liegen sie da – sonnenbeschienene Rebanlagen, die sich wie grüne Terrassen an die Hänge schmiegen. Rebstock an Rebstock entsteht das Bild einer jahrhundertealten Kulturlandschaft, das weit mehr ist als nur ein schöner Anblick: Es ist das lebendige Herz des St. Magdalener.

Es pulsiert dank der zahlreichen Weinbauern und -bäuerinnen, die in St. Magdalena, St. Justina, Leitach, St. Peter und Rentsch mit Leidenschaft ihren Vernatsch anbauen – eine autochthone Rebsorte, die den Hauptbestandteil des Allrounders bildet, zu dem sich der St. Magdalener in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Von der Begeisterung ihres Mannes Florian ließ sich auch Evi Unterkofler, Juniorchefin des Glögglhofs, anstecken. Der Familienbetrieb produziert jährlich rund 60.000 Flaschen und zählt damit zu den mittelgroßen Betrieben des St. Magdalener Schutzkonsortiums. Dieses wurde bereits 1923 als „St. Magdalener Weinbauern-Genossenschaft“ gegründet und bot dem St. Magdalener sowie der lokalen Weinproduktion erstmals markenrechtlichen Schutz.

Heute ist das Schutzkonsortium ein Abbild der Südtiroler Weinwelt und umfasst rund 30 Mitgliedsbetriebe, darunter Genossenschaften, Weingüter und freie Weinbauern. „Unsere Weine werden streng kontrolliert, die Typizität und die DOC-Richtlinien müssen eingehalten werden“, erklärt Unterkofler. Der Verschnitt zum Vernatsch darf dabei 15 Prozent nicht überschreiten; meist ist es Lagrein, der dem Wein zusätzliche Tiefe verleiht. Zugelassen sind jedoch auch andere rote Qualitätstrauben. Doch einfaches Beimengen genügt nicht: „Der St. Magdalener wird im gemischten Satz produziert, das heißt, schon bei der Lese wird festgelegt, wie viel Lagrein beigemischt wird – Vernatsch und Lagrein werden gemeinsam gelesen und vinifiziert“, erklärt die Winzerin.

Unterkofler ist längst nicht mehr die einzige Frau, die sich dem Weinbau verschrieben hat. „Eigentlich war das nie so“, stellt sie fest. „Frauen haben immer schon am Hof mitgearbeitet, nur waren sie weniger sichtbar als heute.“ Sie selbst ist seit Kindesbeinen mit der Weinproduktion vertraut und widmet sich besonders gerne Verkostungen sowie dem Marketing, das auch Reisen umfasst, um das eigene Produkt zu präsentieren.

Kennenlernen lässt sich der vielseitige St. Magdalener nicht nur im Rahmen von Verkostungen am Hof, sondern auch beim St. Magdalener Aperitivo, der vom 4. bis 5. September 2026 am Bozner Waltherplatz stattfindet. Ab Oktober dürfen zudem erstmals St. Magdalener, die zwei Jahre in den Kellereien gereift sind, als Riserva auf den Markt kommen  – ein weiterer Schritt, mit dem das Schutzkonsortium die Entwicklung und Qualität des Weins konsequent vorantreibt.

Bildtext: Evi Unterkofler zeigt auf die zahlreichen Weinberge auf St. Magdalena, einem der wichtigsten Weinbaugebiete in Bozen. Frauen spielen in der Bozner Weinwirtschaft zunehmend eine aktive Rolle.

Foto: Ursula Pirchstaller