deu

Drei Straßen für bedeutende Frauen: Anita Pichler, Carla Lazzerini und Anna Ruedl Zagler

Von den über 400 Straßen der Stadtgemeinde Bozen sind nur rund 30 nach Frauen benannt. Diese Lücke, die übrigens mit den Gegebenheiten auf gesamtstaatlicher Ebene vergleichbar ist, spiegelt die jahrhundertelange „Unsichtbarkeit“ vieler Frauen im öffentlichen Leben wider.

In den letzten Jahren hat man in Bozen versucht, dieses Vergessen zu korrigieren. In den neuen oder neu strukturierten Stadtvierteln tauchen daher die Namen einiger Frauen auf, die das kulturelle Leben der Stadt maßgeblich geprägt haben.

Im Stadtviertel Casanova beispielsweise befindet sich neben dem Anna-Frank-Platz auch ein Park, der den Namen Anita Pichler trägt. Die 1948 in Meran geborene Schriftstellerin war eine der ersten Autorinnen ihrer Generation, die über die Grenzen Südtirols hinaus Bekanntheit erlangte. Deutschsprachig, aber tief mit der italienischen Kultur verbunden, war sie eine der intensivsten und feinfühligsten Stimmen der zeitgenössischen Südtiroler Literatur und erzählte von ihrer Heimat jenseits von Klischees.

Zwischen der Neustifter Straße, der Dalmatien- und Romstraße wurde eine Fuß- und Radunterführung nach Carla Lazzerini(1919 – 1997) benannt. Sie war Lehrerin für Literatur an der Lehrerbildungsanstalt Pascoli. Die aus Livorno stammende Lehrerin zog mit ihrem Ehemann – einem ebenfalls angesehenen Lehrer am Klassischen Gymnasium Carducci – nach Bozen. Neben ihrer schulischen Tätigkeit engagierte sie sich auf sozialer Ebene, unter anderem im Gefängnis, wo sie unter anderem in französischer Sprache maghrebinischen Häftlinge unterrichtete.

Im Stadtteil Europa–Neustift liegt eine kleine Straße, die einer großen Frau gewidmet ist: Anna Ruedl Zagler. Die Verbindung läuft entlang des Technologieinstituts „Max Valier“ und der Mittelschule „Ada Negri“. 1785 in Kaltern geboren, heiratete Anna Ruedl Zagler einen Arzt aus Lana. 1860 stellte sie auf Anregung ihres Sohnes Joseph – dem sozial sehr engagierten P. Franz Xaver Zagler – älteren, kranken und mittellosen Dienstmädchen kostenlose Unterkünfte zur Verfügung. Ihr großes Haus in der damaligen Maurergasse wurde zu einem wahren „Dientsbotenhaus“, einem Heim für Dienstmädchen, die ohne Familie und ohne Rente oft in Armut lebten.

Zu diesem Zweck wurde eine Stiftung gegründet, die sich auch um die Vermittlung arbeitsloser oder arbeitsunfähiger Dienstmädchen kümmerte. Erwähnenswert ist die Unterstützung durch Wilhelmine Grätzl, Witwe des Arztes Josef von Kofler, die sich für arme, verlassene und verwaiste Kinder einsetzte.

Am 17. Dezember 1987 wurde die Stiftung in den Verein „Haus der geschützten Wohnungen“ umgewandelt, mit dem Ziel, Frauen in Gewaltsituationen Schutz und Unterstützung zu bieten. Heute gehört das Haus dem Katholischen Familienverband Südtirols. Landesweit war es eine der ersten Einrichtungen für Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt wurden.

Bild: Carla Lazzerini, Courtesy Familie Lazzerini