Persönlichkeit des Monats: Frau Sabine Waibl
30. Dezember 2025
Persönlichkeit des Monats: Frau Sabine Waibl
Frau Sabine Waibl, der „Roter Hahn“ ist die Dachmarke des Südtiroler Bauernbundes und hat das Ziel, den Menschen die Lebensweise der Südtiroler Bäuerinnen und Bauern näherzubringen.
Unter den verschiedenen Initiativen des „Roter Hahn“ wurde auch die Kochschule organisiert, an der Sie teilnehmen. Besteht großes Interesse an den Südtiroler Kochtraditionen?
Auch durch die kulinarische Vielfalt, die unsere Küche bietet, die Kombination aus alpinen und mediterranen Traditionen, ein Alleinstellungsmerkmal das viele spannend finden. Weiters schätzen unsere Teilnehmer auch die hochwertigen, regionalen Produkte, die wir in unseren Kochkursen verarbeiten und verwenden, wie z.B Speck, Käse, Wildfleisch, Wein, Äpfel und vielem mehr. Die daraus hergestellten traditionellen Gerichte wie z.B Knödel, Schlutzer, Strauben passen gut in den aktuellen Trend hin zur regionalen und authentischen Küche.
Welche positiven Auswirkungen haben Ihrer Meinung nach Projekte zur Aufwertung des Territoriums – wie jene, die vom „Roter Hahn“ organisiert werden – auch auf die Landeshauptstadt Bozen?
Unser Kochschule hat sicher viele positive Auswirkungen auf die Landeshauptstadt Bozen, sei es kulturell, wirtschaftlich, touristisch und gesellschaftlich. Wir bieten ein attraktives Angebot für Genuss und Kultur Interessierte, unsere Kochkurse können auch als Teil von Genusspakten, Hotel Erlebnissen, oder Eventprogrammen gebucht werden. Viele Besucher entdecken die Küche im Urlaub und möchten die Gerichte zuhause nachkochen. Wirtschaftlich hat die Kochschule viele Vorteile für regionale Produzenten, Bauern, Kellereinen, Metzgereien, Käsereien aus Bozen und Umgebung von denen wir unsere hochwertigen Produkte beziehen. Auch ist die Kochschule Treffpunkt für Einheimische und Gäste, und es ist immer wieder toll zu erleben wie Menschen, die sich vorher nicht gekannt haben, durch das gemeinsame Kochen einander kennenlernen, und beim Genießen am Tisch dann sich tolle Gespräche ergeben. Und Kochkurse an unserer Kochschule funktionieren ganzjährig, und können auch außerhalb der Saison besucht werden.
Mit welchen Herausforderungen sehen Sie, die Bäuerinnen und Bauern sich heute bei der Bewirtschaftung ihrer Höfe konfrontiert?
Bei der Bewirtschaftung der Höfe stehen heutzutage viele Bäuerinnen und Bauern vor großen Herausforderungen. Der wirtschaftliche Druck ist oft hoch, da die Produktionskosten wie Arbeitskräfte, Maschinen, und Energiekosten gestiegen sind, während die Erzeugerpreise unter Druck stehen, durch die Abhängigkeit vom Welthandel. Investitionen in moderne Anlagen oder Nachhaltigkeitstechnologien sind teuer und amortisieren sich langsam. Auch der Klimawandel ist in der Landwirtschaft sehr stark zu spüren. Spätfrost, Hagel, Dürre und Starkregen nehmen zu. Höhere Temperaturen fördern neue Insekten, und Schädlinge sowie Pilzkrankheiten. Auch die Bewässerung wird zunehmend schwieriger, da der Wasserbedarf steigt, aber die Verfügbarkeit saisonal schwankt. Und der Arbeitskräftemangel ist natürlich auch eine Herausforderung. Saisonarbeiter sind schwer zu finden, aber ohne ausreichend Personal geraten Ernte und Pflegemassnahmen unter Druck. Die Anforderungen von Nachhaltigkeit und Umweltschutz verlangen immer wieder nach Umstellungen, auf den Höfen. Viele Höfe in Südtirol sind zudem Kleinstrukturiert und dadurch wirtschaftlich schwer dauerhaft praktikabel. Ohne Spezialisierung, Direktvermarktung, Zu und Nebenerwerb wie z.B durch Urlaub auf dem Bauernhof ist das wirtschaftliche Überleben oft schwierig, und oft fehlt eine Hofnachfolge. Nicht vergessen werden darf auch der bürokratische Aufwand, der immer mehr zunimmt. EU und nationale Vorgaben führen zu viel Papierarbeit, Dokumentation und Kontrollen. Qualitätszertifikate sind oft Zeit und Kostenintensiv.
Die Arbeit auf dem Hof findet seit jeher im Einklang mit der Natur statt. Wie lässt sich Nachhaltigkeit mit der technologischen Innovation vereinbaren, die heutzutage in jeder Tätigkeit unverzichtbar ist?
Nachhaltigkeit und technologische Innovation schließen sich ja nicht aus- im Gegenteil- Technologien ersetzen nicht Traditionen, sie ergänzen sich. Moderne Technologie kann helfen traditionelle Arbeitsweisen noch naturverträglicher und effizienter und besser zu machen. Technik sollte als Werkzeug verstanden werden, das die Grundprinzipien nachhaltiger Landwirtschaft unterstreicht, nicht ersetzt. Ein Beispiel dazu ist die präzise Bewässerung durch die Tropfberegung die meist Computergesteuert je nach Bedarf dem Boden Wasser zu führt, dadurch weniger Wasserverbrauch. Auch in der Tierhaltung tragen neue Systeme zu den besseren Lebensbedingungen bei. Neue Technologien helfen, Tiere artgerecht und gesund zu halten – ein Kern wert vieler Südtiroler Höfe. Viele Höfe in Südtirol sind durch Photovoltaikanlagen auf Hof oder Stalldächern, Wärmerückgewinnungsysteme, moderne Kühl und Lagertechniken beinahe energieautark, ein perfektes Beispiel für moderne und nachhaltige Landwirtschaft.
Sie sind Expertin für die traditionelle Südtiroler Küche, möchten Sie ein Rezept mit uns teilen?
Oh Expertin, wenn Expertin heißt die traditionelle Küche kochen zu können, darüber erzählen zu dürfen, und unsere Landwirtschaft den Menschen mit viel Herzblut, Fachkenntnis und Respekt für die Traditionen näher zu bringen, dann nehme ich diesen Titel gerne an, und teile mit Ihnen eines meiner Lieblingsrezepte…
Bild: Sabine Waibl, Courtesy Armin Huber