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Persönlichkeit des Monats: Judith Rottensteiner

Als junge, engagierte Musikstudentin sammelte sie Erfahrungen in Salzburg, doch heute ist Judith Rottensteiner Verkaufs- und Marketingleiterin in einem der traditionsreichsten Weingüter der Stadt.

Frau Rottensteiner, wie kam es zu dieser Wende in Ihrem Leben?

Als junge Musikstudentin und Flötistin – meine Leidenschaft gilt der Querflöte – hätte ich mir nie vorstellen können, rund zwanzig Jahre später eine so wichtige Abteilung in einem Weingut zu leiten. Doch gerade in Salzburg lernte ich den Mann kennen, der später mein Ehemann wurde. Aber zunächst kam ich zurück nach Bozen und arbeitete hier bei der Südtirol Marketing Gesellschaft, SMG.

Wie stießen Sie zur Welt des Weines?

Privat festigte sich die Beziehung zu jenem jungen Mann, den ich in Salzburg kennengelernt hatte. Seiner Familie gehört eines der traditionsreichsten Weingüter der Stadt, das Weingut Hans Rottensteiner. Er arbeitete bereits in Vollzeit im Familienbetrieb, wo er sich um alles kümmerte – von der Produktion bis zum Verkauf. Während unserer Verlobungszeit bat er mich daher, ihn zu verschiedenen Weinmessen in Italien und im Ausland zu begleiten. Dank meiner Erfahrung im Bereich Kommunikation und Marketing war meine Unterstützung dabei sehr wichtig.

Waren Sie gleich begeistert?

Ich habe mich dieser Welt Schritt für Schritt angenähert, habe mich dafür interessiert und alles studiert und schließlich das Sommelier-Diplom der AIS, der Associazione Italiana Sommelier, erworben. 2012 haben wir geheiratet, und es war ganz selbstverständlich, dass ich in den Familienbetrieb einstieg und dort weiterarbeitete. Ich kümmere mich um Verkauf, Promotion und Marketing, während mein Mann lieber alle Produktionsprozesse im Keller betreut. Heute übe ich meine Tätigkeit in Vollzeit aus – auch dank der Unterstützung meiner Schwiegermutter, die uns bei der Betreuung der inzwischen geborenen Kinder sehr hilft.

Wie entwickelt sich derzeit der Inlandsmarkt und der Export für Südtiroler Weine?

Südtirol gilt im In- und Ausland als Exzellenzgebiet für Weißweine. Die Stadt Bozen weicht jedoch von diesem Bild ab, denn sie ist die Wiege der autochthonen Rotweine Lagrein und St. Magdalener, die ihr besonderes Merkmal sind. Natürlich ist die Konkurrenz unter den Rotweinen im In- und Ausland deutlich stärker. Der Binnenmarkt läuft sehr gut, vor allem auch der lokale Markt, denn mit den sehr guten Besucherzahlen sind Hotels und Restaurants ein wichtiger Absatzkanal. Auch im Ausland eröffnen sich für Südtiroler Rotweine interessante Marktchancen.

Ist die Promotion der Weine daher eine besondere Herausforderung?

Ja, aber sie bringt auch viel Zufriedenheiten mit sich. Wir sind auf den wichtigsten europäischen Messen präsent und exportieren sowohl europaweit als auch weltweit. Wir sind auf der Messe in Paris, der Wine Paris, vertreten, auf der ProWein in Düsseldorf und auf der Vinitaly in Verona. Das sind Termine, die man nicht verpassen darf.

Sind Sie auch bei lokalen Veranstaltungen wie der Weinkost im März vertreten?

Die Bozner Weinkost ist eine der traditionsreichsten Weinveranstaltungen Südtirols. Als Bozner Unternehmen sind wir immer sehr gerne dabei, daher nehmen wir selbstverständlich auch heuer wieder daran teil.

Wie hat sich diese traditionsreiche Veranstaltung im Laufe der Jahre entwickelt?

Es ist eine wichtige Gelegenheit, unsere neuen Jahrgänge einem weinbegeisterten lokalen Publikum vorzustellen. Früher hatte sie eine größere Sichtbarkeit, könnte man sagen, aber ich bin zuversichtlich, dass die Bozner Weinkost auch in Zukunft einen wichtigen Platz in der Südtiroler Weinlandschaft einnehmen wird.

Füllt Sie Ihr berufliches Engagement voll aus oder bleibt doch noch etwas Raum für Ihre frühere Leidenschaft, die Musik?

Natürlich nehme ich mir, wenn möglich, immer etwas Zeit zum Musizieren. Ich bin auch noch Mitglied der Bürgerkapelle Gries.

BildJudith Rottensteiner, Courtesy Andergassen Druck