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Persönlichkeit des Monats April: Matteo Remotti Marnini

Eishockey-Spieler, Teilnehmer an den Paralympics

Wunderbare Erinnerungen an heitere Spiele mit unglaublichen Leistungen: Die Paralympics Mailand Cortina sind zwar vorbei, haben jedoch bleibende, geradezu historische Spuren hinterlassen. Matteo Remotti Marnini, paralympischer Athlet und Eishockeyspieler der italienischen Nationalmannschaft, wird diese spannenden Wochen nie mehr vergessen.

Du warst bereits 2022 in Peking dabei. Sind die Emotionen, wenn man an Olympischen Spielen teilnimmt, immer dieselben?

Matteo Remotti Marnini: Nein, die Emotionen sind nicht dieselben, denn diese Ausgabe war einfach unglaublich. In Peking gab es wegen Covid Einschränkungen, es war kein Publikum zugelassen, während in Mailand der Zuschauerandrang überwältigend war. Obwohl ich bereits an Olympischen Spielen und an Weltmeisterschaften teilgenommen habe, sehe ich mich nicht als eine Art Veteran, sondern als Spieler mit Erfahrung. Die Emotionen, die ich bei diesen Paralympics erlebt habe, hatte ich zuvor noch nie.

Wie bist Du zu diesem Sport gekommen?

Ich habe schon als Kind die Paralympics verfolgt. Neben der  Begeisterung und den Einladungen, diesen Sport auszuüben, motivierte mich vor allem die Begegnung mit einigen Menschen. Sie waren entscheidend: Werner Winkler und Rupert Kanestrin beispielsweise, beide ehemalige Nationalspieler, sie haben die Jugendmannschaft in Kaltern gegründet; Christoph Depaoli, ein Teamkollege mit demselben Handicap wie ich, und Florian Planker, ein Veteran, der sich stets für diese Sportart eingesetzt hat. Derzeit spiele ich beim Team South Tyrol Eagle. Training und Heimspiele finden in der Würth Arena in Neumarkt statt.

Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um viele junge Menschen mit Behinderung zu ermutigen, uns zu besuchen und diese wunderbare Sportart auszuprobieren, gleichzeitig aber auch möglichst viele Zuschauer einladen, unsere Spiele zu besuchen und uns anzufeuern.

Bist Du generell ein wettbewerbsorientierter Mensch oder kannst du Deinen Kampfgeist vor allem auf dem Eis ausdrücken?

Auf dem Eis zeige ich eine Seite von mir, die sich nur im Spiel ausdrückt: Es kommt eine Entschlossenheit zum Vorschein, die mit dem Alltag nichts zu tun hat. Dennoch ist auch im Sport eine Empfindsamkeit da, die, so glaube ich, meinen Charakter prägt. Ich meine vor allem die Solidarität und die Aufmerksamkeit gegenüber meinen Mitspielern.

Inwiefern hat Dir die Möglichkeit, paralympischen Sport auszuüben, im Alltag geholfen?

Der Sport hat mir viel gegeben und gibt mir weiterhin viel. Er bringt einen dazu, andere Spieler sowie Regeln und Zeiten zu respektieren. Auf diesem Niveau bietet er außerdem die Möglichkeit zu reisen – übrigens auch die Gelegenheit, die in der Schule gelernten Fremdsprachen, ich habe ein Sprachengymnasium besucht, zu verbessern. Dazu kommt die Auseinandersetzung mit anderen Kulturen und Lebensweisen. Der Sport lässt dich als Mensch wachsen.

Wie wichtig ist es für Dich, Teil eines Teams zu sein?

Ich glaube, dass es für Menschen mit Behinderung sehr wichtig ist, eine Mannschaftssportart auszuüben. Im Gegensatz zu einer Einzelsportart ermöglicht sie dir, dich mit anderen jungen Menschen mit unterschiedlicher Behinderung auszutauschen. Man unterstützt sich sehr und wird zu einer Familie, mit Freundschaften, die auch außerhalb des Sports bestehen bleiben.

Ich nehme an, dass Ihr als Mannschaft stolz seid auf den hervorragenden fünften Platz bei den Paralympics …

Wir haben sehr hart trainiert und wollten eine Medaille gewinnen, auch weil wir uns als zweitbeste europäische Mannschaft qualifiziert hatten. Doch gegen die besten Teams der Welt anzutreten, ist keineswegs einfach. Daher sind wir zufrieden, den fünften Platz von Peking bestätigt – und gleich zweimal den Zuschauerrekord gebrochen zu haben. Für die Zukunft der Mannschaft ist es wichtig, junge Menschen einzubinden, sie für diesen wunderbaren Sport zu begeistern und einen Generationenwechsel vorzubereiten.

BildMatteo Remotti Marnini, Courtesy Matteo Remotti Marnini