Verborgene und verloren geglaubte Schätze
25. Februar 2026
Verborgene und verloren geglaubte Schätze
Dass Bozen eine Stadt ist, die ihre Besucherinnen und Besucher – und mitunter auch ihre eigenen Einwohner – immer wieder überrascht, steht außer Zweifel. Es ist tatsächlich erstaunlich, wie viel Geschichte und Kunst sich in Kirchen oder Klöstern, in den historischen Gebäuden der Altstadt oder sogar in Hotels verbergen.
Als zum Beispiel vor einigen Jahren ein Hotel in der Nähe des Bahnhofs abgerissen wurde, entdeckte man in der Eingangshalle ein Flachrelief des bedeutenden Künstlers Lucio Fontana, dasabgenommen und – man staune – bei einem renommierten internationalen Auktionshaus für mehrere hunderttausend Euro versteigert wurde.
Doch dies ist nicht das einzige, weitgehend unbekannte Kunstwerk in der Stadt. Nur wenige wissen, dass sich in einer Seitenkapelle der Dominikanerkirche ein kostbares Altarbild von Giovan Francesco Barbieri (1591–1666), genannt Guercino, befindet. Der aus Cento bei Ferrara stammende und in Bologna verstorbene Maler hinterließ Werke, die heute in den bedeutendsten Museen der Welt zu sehen sind.
Für die Dominikaner in Bozen schuf er die „Vision von Soriano“ mit einem Bildnis der Gottesmutter und des Ordensgründers, des hl. Dominikus. Die Vision wird einem Dominikanermönchaus Soriano Calabro zugeschrieben. Das Motiv ist bei den Dominikanern häufiger zu finden, vorherrschend sind die Gottesmutter Maria, Maria Magdalena und die hl. Katharina von Alexandrien.
Auch das Stadtmuseum von Bozen blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Seit seiner Errichtung im Jahr 1882 erlebte es kritische Zeiten in den Kriegen, sein Turm wurde ab- und wiederaufgebaut, es war auch vorübergehend geschlossen, weil die Sicherheitsvorschriften zu befolgen waren ... Wie auch immer: Während der letzten Schließung wurden die Sammlungen neu geordnet und zusätzliche Ausstellungsräume erschlossen. Auch wenn noch nicht alle Stockwerke für das Publikum zugänglich sind, hat das Museum seit Oktober vergangenen Jahres einenneuen erzählerischen Faden aufgenommen und einen Rundgang eingerichtet, der vier thematische Bereiche umfasst: Familienporträts, Einzelporträts sowie Künstlerporträts und Selbstbildnisse.
Es handelt sich um eine Reihe von Bildern bedeutender Persönlichkeiten der Stadtgeschichte, von denen einige erstmals öffentlich gezeigt werden, da sie erst kürzlich restauriert oder neu erworben wurden.
Ebenfalls der Porträtkunst widmet sich die Ausstellung „Kaufmannsgesichter”, die bis zum 3. Oktober im Merkantilmuseum zu sehen ist. Dank mehrerer Leihgaben öffentlicher Institutionenund vor allem privater Sammlerinnen und Sammler präsentiert die Ausstellung jene Kaufleute, die im 18. und 19. Jahrhundert maßgeblich zum Wohlstand und zur Bedeutung der Stadt Bozen beitrugen.
Die Gemälde, von denen viele von namhaften Künstlern der Zeit wie Carl Henrici, Martin Knoller, Giuseppe Tominz und Friedrich Wasmann stammen, hängen normalerweise in Privathäusern, in Geschäften und Büros. Sie zeigen Männer mit Korrespondenzen, Handelsbüchern oder Arbeitsutensilien in der Hand, häufig begleitet von ihren Ehefrauen. Kurz: Hier ließen sich Vertreterinnen und Vertreter der neuen kaufmännischen Aristokratie abbilden. Die Porträts erzählen somit von der Blüte des Handels in Bozen und vom gesellschaftlichenWandel vergangener Zeiten.
Bild: Familie Menz-Gumer, Courtesy Merkantil Museum