Bozen, das Wein-Open-air-Museum
11. August 2026
Bozen, das Wein-Open-air-Museum
Acht Stationen auf den Spuren der Bozner Weinkultur.
Wer durch Bozen spaziert, bewegt sich durch Jahrhunderte der Weingeschichte. Wein prägt die Stadt nicht nur in den umliegenden Rebhängen von St. Magdalena und Gries, sondern auch mitten in der Altstadt. Hinter Fassaden, in Gassen und auf Plätzen finden sich zahlreiche Zeugnisse jener Zeit, als Bozen zu den wichtigsten Wein- und Handelszentren zwischen Nord und Süd zählte. Ein Rundgang durch das „Open-air-Museum des Weins“.
1. Merkantilmuseum
Das Merkantilmuseum im historischen Merkantilgebäude erzählt die Geschichte Bozens als internationale Handelsstadt. Zu sehen sind originale Handelsdokumente, Stoffmusterbücher, Möbel und Urkunden aus jener Epoche, als Kaufleute aus ganz Europa zu den Bozner Messen anreisten. Wein war damals eine der wichtigsten Handelswaren.
2. Die Lauben
Die Bozner Lauben waren über Jahrhunderte das wirtschaftliche Herz der Stadt. Unter den charakteristischen Rundbögen befanden sich Weinhandlungen, Lager und Gasthäuser. Noch heute erinnern historische Gewölbe und traditionsreiche Vinotheken an die Zeit, als hier Weine aus Südtirol und dem Alpenraum gehandelt wurden. Von den ursprünglichen Weinkellern sind nur noch wenige erhalten, doch finden sich vielerorts Zeugnisse der damals regen Handelstätigkeit.
3. Bindergasse (Fassbinder-Gasse)
Schon der Name verrät die Geschichte dieser schmalen Altstadtgasse: Hier arbeiteten einst Fassbinder, die Holzfässer für Transport und Lagerung des Weins herstellten. Ohne ihr Handwerk hätte sich der Weinhandel in Bozen kaum entwickeln können. Ein Spaziergang entlang der Gasse lohnt sich: mittelalterliches Flair gibt es gratis dazu.
4. Obstmarkt
Heute dominieren Obst- und Gemüsestände das Bild, doch früher wurde hier auch Wein verkauft. Der Platz war ein wichtiger Handelsort, an dem Bauern, Händler und Wirte zusammentrafen. Wer genau hinsieht, entdeckt an manchen Häusern noch historische Spuren der damaligen Handelstätigkeit. Am Obstmarkt befanden sich außerdem traditionsreiche Gasthäuser und Torggeln, in denen Wein ausgeschenkt und gehandelt wurde. Das Torgglhaus am Obstmarkt ist ein besonders bekanntes Beispiel.
5. Kornplatz und Palais Toggenburg
Am Kornplatz erinnert ein in Stein gemeißeltes Wappen mit Trauben und Rebmesser an die Weintradition der Stadt. Das oft übersehene Detail verweist auf die enge Verbindung zwischen Handel, Lagerung und Ausschank von Wein im historischen Bozen.
6. Dom und Kreuzgang
Der Bozner Dom ist Maria Himmelfahrt und dem hl. Vinzenz von Saragossa geweiht. Vinzenz wird in vielen Weinregionen seit dem Mittelalter als Schutzpatron der Winzer verehrt. Im gotischen Kreuzgang erscheinen Weinreben und Trauben als zentrale christliche Symbole, die auf Christus als den „wahren Weinstock“ und auf die Eucharistie verweisen. Zugleich spiegeln diese Bildmotive die enge Verbindung Bozens mit der umgebenden Weinlandschaft wider.
7. Kapuzinerkloster mit kleinem Weinberg
Ein verstecktes Zeugnis der Bozner Weingeschichte findet sich im Kapuzinergarten. Die dort gepflanzten Reben erinnern daran, dass Weinbau einst selbstverständlich zum Stadtbild gehörte und die Weinberge bis an die Altstadt heranreichten.
8. Schloss Maretsch
Kaum ein Ort zeigt die Verbindung zwischen Stadt und Wein deutlicher als Schloss Maretsch. Das Renaissance-Schloss liegt mitten in von Reben umgebenen Flächen und macht sichtbar, wie eng Bozen historisch mit dem Weinbau verbunden war. Heute ist es unter anderem Austragungsort der traditionsreichen Bozner Weinkost und damit weiterhin ein Zentrum der Weinkultur.
Tipp: Wer diesen Rundgang absolvieren möchte, sollte sich Zeit nehmen und den Blick immer wieder nach oben richten. Wappen, Fasszeichen, Rebmotive und historische Inschriften erzählen an vielen Ecken von jener Geschichte, die Bozen bis heute zu einer der bedeutendsten Weinstädte im Alpenraum macht.
Bild: Laubengasse, Courtesy Sergio Buono
Text: Ursula Pirchstaller.