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In der malerischen Sparkassenstraße

Eine der eindrucksvollsten Straßen der Bozner Altstadt ist die Sparkassenstraße. Sie wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts vom Stadtarchitekten Sebastian Altmann geplant, um das Krankenhaus im Süden mit der Wangergasse im Norden Bozens zu verbinden. Die neue Achse wurde sozusagen zur Außengrenze des mittelalterlichen Stadtkerns. Die Erweiterung der Stadt in Richtung Talfer war notwendig geworden, weil die Bevölkerung rasch wuchs. Der Grund waren die vielen bedeutenden Neuerungen und der Aufschwung unter Bürgermeister Julius Perathoner, der von 1895 bis 1922 Bozen geprägt hat. Besonders erwähnt seien die Einführung der Elektrizität und die Eingliederung der früher eigenständigen Gemeinde Zwölfmalgreien. 

Die Urbanisierung des Stadtteils im Westen der Altstadt begann, nachdem die Bozner Sparkasse mehrere Grundstücke entlang der Talfer erworben hatte. Einen Teil davon schenkte sie der Stadtverwaltung anlässlich des 50-jährigen Regierungsjubiläums von Kaiser Franz Joseph im Jahr 1898. In den Jahren 1904 bis 1907 entstand zudem das Sparkassengebäude im neubarocken Stil nach den Plänen des Architekten Wilhelm Kürschner, damals Leiter des städtischen Bauamtes. 1938 wurde es von Francesco Rossi im Stil des italienischen Rationalismus umgestaltet. 

Die ursprüngliche Vereinbarung zwischen der Sparkasse und der Stadt sah vor, dass der nördliche Abschnitt der Straße ab der Auffahrt zur Talferbrücke den Namen „Sparkassenstraße“tragen sollte, während der südliche Abschnitt Kaiserin Elisabeth gewidmet und daher „Kaiserin-Elisabeth-Straße“ hieß. Die heutige Talferbrücke, geplant vom Grazer Unternehmen Waagner (später Waagner-Biró), wurde am 4. November 1900 eingeweiht. Ihre großzügigen Fahrspuren hatte man weit mit Weitblick angelegt: Es sollte noch einige Jahre dauern, bis in Bozen Automobile auftauchten ... 

Mit der weiteren Bebauung entstanden entlang der Sparkassenstraße mehrere bedeutende Gebäude. Dazu zählen das heutige Stadtmuseum im Überetscher Stil nach Entwürfen von Alois Delug sowie das Gebäude der Österreichisch-Ungarischen Nationalbank, das später Sitz der Banca d’Italia war – und heute das Südtiroler Archäologiemuseum beherbergt, natürlich Ötzi, den berühmten Mann aus dem Eis. 

Während der faschistischen Zeit wurden die beiden Straßenabschnitte mit einer Gesamtlänge von rund 400 Metern zusammengelegt und in „Via Regina Elena“ umbenannt. Mit der Umgestaltung des Sparkassengebäudes im Jahr 1938 ging die ursprüngliche architektonische Einheitlichkeit der Straße teilweise verloren. Das Gebäude erhielt eine rationalistische Fassade und wurde mit zwei Reliefs des Bildhauers Hans Piffrader aus Klausen versehen, der auch das umstrittene Relief mit dem Reiterstandbild von Mussolini am Gerichtsplatz schuf. Dadurch entstand ein starker Kontrast zu den übrigen Gebäuden der Straße, die nach den Plänen der Architekten Strehle und Cassel aus dem Jahr 1905 errichtet worden waren. Charakteristisch sind dort bis heute die zahlreichen dekorativen Elemente wie Giebel, Erker, Türmchen und reich eingefasste Fenster, die vom bayerischen Barock sowie von romanischen und renaissancezeitlichen Formen inspiriert sind. Das monumentale Sparkassengebäude an der Straßenecke steht seit 1988 unter Denkmalschutz. 

Die Straße bewahrt zahlreiche weitere Zeugnisse aus der Zeit um die Jahrhundertwende: Im Eingangsportal des Hauses Nr. 1 befindet sich ein Marmorrelief mit Maria und dem Jesuskind. Darunter steht der Beginn des ältesten bekannten Mariengebets aus dem 3. bzw. 4. Jahrhundert: „Sub tuum praesidium confugimus“. 

Im Haus Nr. 6/1 lebte in den 1920er-Jahren der junge Komponist Heinrich Gerstenberger, der 1900 in Prag geboren wurde und 1910 mit seiner Familie nach Bozen übersiedelte. Er galt als außergewöhnliches Talent, verstarb jedoch bereits im Alter von 27 Jahren. 

Das Gebäude des heutigen Stadtmuseums war zwischen 1905 und 1933 auch Veranstaltungsort von Konzerten des Musikvereins. Dort traten zahlreiche Solisten auf und wurden Schülerkonzerte gegeben. Nicht zuletzt war hier der später weltberühmte Dirigent Carlo Maria Giulini zu hören. 

Das heutige Gebäude der Sparkasse Academy beherbergte ab 1931 die Studios der EIAR, der damaligen italienischen Rundfunkanstalt. Im letzten Abschnitt der Straße in Richtung Dantestraße erinnert ein kunstvoller Stuckfries mit Musikinstrumenten am Haus Nr. 22/20 daran, dass sich hier bis 1958 die weltweit bekannte Akkordeon- und Harmoniumfabrik Fidele Socin befand. 

Am Ende der Sparkassenstraße steht das Gebäude der ehemaligen Kaiserin-Elisabeth-Schule, die heute nach dem Dichter Dante Alighieri benannt ist. Sie wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts vom damaligen Stadtarchitekten Gustav Nolte entworfen. 

Bild: Sparkassenstraße, Courtesy Südtirol.info