Persönlichkeit des Monats: Andrea Cerri, Neuer Direktor des Teatro Stabile Bozen
30. August 2026
Persönlichkeit des Monats: Andrea Cerri, Neuer Direktor des Teatro Stabile Bozen
Der Kulturmanager und künstlerische Leiter des Teatro Stabile, des italienischen Theaters Bozen, Andrea Cerri, verfügt über mehr als fünfzehn Jahre Berufserfahrung. Er hat sich umfassende organisatorische und künstlerische Kompetenz angeeignet und sich darüber hinaus auf Theaterorganisation und Kulturprojektentwicklung spezialisiert.
Was hat Sie dazu bewogen, die Leitung des Teatro Stabile Bozen zu übernehmen?
„Das Teatro Stabile Bozen ist eine Institution von großem Ansehen, auch auf gesamtstaatlicher Ebene, und jeder, der in diesem Bereich tätig ist, weiß das. Es war das zweite öffentliche Theater Italiens, das nach dem Vorbild Mailand gegründet wurde; später folgten die Theater von Genua und Turin. Sie alle entstanden aus der geradezu revolutionären Idee von Paolo Grassi und Giorgio Strehler, die fest an das öffentliche Theater glaubten.
In der Vergangenheit war ich mehrfach in Bozen, um Aufführungen zu besuchen, aber auch, um eine Produktion von Balletto Civile zu organisieren. Zudem habe ich bereits mit dem Bozner Stadttheater zusammengearbeitet. Eine der jüngsten Kooperationen war die Koproduktion von Bidibibodibiboo, dem mehrfach ausgezeichneten Stück von Francesco Alberici, das in Bozen aufgeführt wurde. Diese dramaturgische Neuheit erwies sich als besonders erfolgreiches Projekt.
Als Walter Zambaldi die Leitung der Fondazione Teatro della Toscana übernahm und die Stelle in Bozen ausgeschrieben wurde, habe ich mich beworben. Und nun bin ich hier.“
Und wie sind Ihre bisherigen Eindrücke?
„Sehr positiv. Ich habe eine hervorragend strukturierte Organisation vorgefunden, etwas, das man bereits von außen wahrnimmt. Aus der Innenperspektive begegnet man jedoch einem Team mit außergewöhnlichem Engagement. Technisches Personal, Verwaltung und die gesamte Organisation bestehen aus Menschen, denen das Wohl der Institution als öffentlicher Dienst am Herzen liegt.
Aus wirtschaftlicher Sicht befindet sich die Struktur in ausgezeichneter Verfassung. Man spürt deutlich die Verantwortung, öffentliche Mittel bestmöglich einzusetzen.
Was die Produktionen betrifft, habe ich eine Situation vorgefunden, die auf gefestigten Beziehungen zu renommierten nationalen und internationalen Persönlichkeiten sowie zu vielversprechenden Nachwuchskünstlerinnen und Nachwuchskünstlern basiert. Die Amtsübergabe verlief sehr kooperativ. Ich glaube, dass sich die Kommission für meine Ernennung entschieden hat, weil sie die Linien und Schwerpunkte schätzt, die ich bisher verfolgt habe.
Ich habe stets versucht, ein Theater zu gestalten, das nach neuen künstlerischen Ausdrucksformen und innovativen Inszenierungsweisen sucht, ohne dabei selbstreferenziell zu werden, um einem möglichst breiten Publikum Zugang zu bieten.“
Möchten Sie diese Linie auch in Ihren Projekten für das Teatro Stabile Bozen weiterverfolgen?
„Ich möchte dem Auftrag treu bleiben, Theater für ein breites Publikum zugänglicher zu machen und seinen elitären Charakter weiter abzubauen, indem Barrieren überwunden werden, die häufig nicht wirtschaftlicher, sondern kultureller Natur sind. Mein Ziel ist ein Theater für alle, das zugleich Künstlerinnen und Künstler sowie Werke präsentiert, die das Publikum herausfordern und überraschen können.“
Wie wollen Sie das erreichen?
„Meiner Ansicht nach besteht die Strategie darin, neue Regisseurinnen und Regisseure sowie Dramatikerinnen und Dramatiker zu fördern und gleichzeitig die Zusammenarbeit zwischen aufstrebenden Talenten und etablierten Künstlerinnen und Künstlern zu ermöglichen, die gerne auf den Bozner Bühnen arbeiten.
Darüber hinaus möchte ich Aufführungen nach Bozen bringen, die aus einem internationalen Kontext stammen und aktuelle Themen behandeln, welche die Komplexität unserer Gegenwart widerspiegeln, und dies in einer neuen künstlerischen Sprache.
Ein weiteres Anliegen ist mir das Projekt eines Theaters, das Menschen in schwierigen Lebenssituationen einbezieht, etwa Menschen in Justizvollzugsanstalten, Seniorenwohnheimen oder mit körperlicher beziehungsweise psychischer Beeinträchtigung, darunter auch Essstörungen. Auch bei solchen Projekten muss die künstlerische Qualität stets im Mittelpunkt stehen. Ich bin überzeugt, dass die Einbeziehung dieser Lebensrealitäten die künstlerische Forschung und Theaterarbeit zusätzlich bereichern kann.“
Also eine enge Vernetzung mit Umfeld und Institutionen?
„Natürlich. In diesem Zusammenhang möchte ich die Zusammenarbeit mit weiteren bedeutenden lokalen Kulturinstitutionen wie dem Haydn Orchester, den Vereinigten Bühnen Bozen, Transart, dem Busoni-Wettbewerb und vielen anderen ausbauen.
Neben den bekannteren Einrichtungen möchte ich aber auch Vereine und Organisationen vernetzen, die vor Ort hervorragende Arbeit leisten. Dabei denke ich beispielsweise an La Ribalta von Antonio Viganò.
Kooperationen mit solchen Kulturvereinen könnten sowohl für die beteiligten Organisationen als auch für das kulturelle Gefüge insgesamt einen gegenseitigen Mehrwert schaffen. Mein Ziel ist daher ein offenes Theater im Dienst des Landes, das gleichzeitig seine gesamtstaatliche Ausstrahlung bewahrt, die sich das Teatro Stabile im Laufe der Jahre erarbeitet hat.“
Bild: Andrea Cerri, Courtesy Ivo Corrà