deu

Persönlichkeit des Monats: Ruth Oberrauch

Sie ist für das Magazin Forbes Italia eine der 100 erfolgreichsten Frauen Italiens: Ruth Oberrauch, Präsidentin der Gruppe Oberalp, die von ihrem Vater Heiner Oberrauch vor 45 Jahren gegründet wurde und über 1200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählt. Sitz des Unternehmens ist Bozen.

Generationenwechsel in vielen Südtiroler Unternehmen: Was verändert sich – und werden Werte und Prinzipien, die Südtirol erfolgreich gemacht haben, auch von der jüngeren Unternehmergeneration weitergetragen?

Ich glaube, dass sich einige Aspekte grundlegend verändert haben. Die neue Generation von Unternehmerinnen und Unternehmern steht vor anderen Herausforderungen. Ich beziehe mich beispielsweise auf die Digitalisierung und die ständig wachsende Verfügbarkeit von Daten, auf Nachhaltigkeitsthemen wie die Net-Zero-Ziele, internationale Märkte sowie neue Erwartungen der Mitarbeitenden. Heute wird viel über die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sowie über Flexibilität gesprochen.

Dennoch sind unsere Unternehmenswerte dieselben geblieben. Wir sind ein familiengeführtes Unternehmen mit professionellem Management und sind überzeugt, dass sich Erfolg in Generationen und nicht in Quartalen misst. Deshalb entwickelt sich unser Führungsstil mit der Zeit weiter, bleibt aber denselben Grundsätzen verpflichtet: langfristig denken, den Menschen Vertrauen schenken, Mut fördern und auch aus Fehlern lernen.

Ihrer Unternehmensgruppe ist die einzigartige Südtiroler Natur sehr wichtig. Diese Haltung wirkt sich über die Landesgrenzen hinaus und auf verschiedene Bereiche aus. Wie möchten Sie dieses prägende Merkmal Ihres Unternehmens künftig weiterführen?

Unsere Marken, insbesondere Salewa und LaMunt, sind eng mit unserer Heimat und den Dolomiten verbunden, die nicht nur für Südtirol, sondern auch international von großer Bedeutung sind.

Als Familienunternehmen denken wir langfristig. Respektvoll gegenüber den Bergen zu sein bedeutet für uns, den Ort zu bewahren, der uns inspiriert und den wir den kommenden Generationen in bestmöglichem Zustand hinterlassen möchten.

Ihr Unternehmen ist seit jeher im Outdoor-Bereich tätig, auch Sie persönlich sind begeisterte Sportlerin. Wie haben Sie den Wandel im Tourismus in den vergangenen Jahren erlebt?

Die Berge begleiten mich schon mein ganzes Leben. Skibergsteigen gehört zu meinen größten Leidenschaften, weil ich die Berge dadurch auf authentische Weise erleben, ihren Rhythmus respektieren und einen Moment der inneren Balance finden kann. Gleichzeitig sind sie meine wichtigste Inspirationsquelle – viele meiner Ideen entstehen während einer Skitour.

Der Tourismus ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für Südtirol und hat wesentlich zur Entwicklung unseres Landes beigetragen. Gleichzeitig muss er jedoch mit Augenmaß gestaltet werden. Es ist wichtig, dass die Menschen, die hier leben, ihre Heimat weiterhin genießen können und dass deren Alltag und die Ansprüche des Tourismus harmonisch miteinander vereinbar sind.

Deshalb halte ich es für besonders wichtig, die Besucherströme besser zu verteilen, sowohl räumlich als auch über das gesamte Jahr hinweg, nicht zuletzt deshalb, um weniger bekannte Orte und ruhigere Zeiten aufzuwerten.

Hat die Bozen weiterhin das Potenzial, neue unternehmerische Initiativen hervorzubringen und zu fördern, und damit ein attraktiver Standort für junge Talente zu sein?

Davon bin ich überzeugt – allerdings dürfen wir das nicht als selbstverständlich ansehen. Talente lassen sich nicht mit Slogans halten, sondern durch konkrete Perspektiven, durch berufliche Entwicklungsmöglichkeiten, Verantwortung, leistbaren Wohnraum, ein lebendiges Kulturangebot und die Möglichkeit, an Projekten mitzuwirken, die einen echten Unterschied machen.

Viele junge Südtirolerinnen und Südtiroler entscheiden sich dafür, zunächst Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Das halte ich für sehr wertvoll. Unsere Aufgabe besteht darin, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass sie zurückkehren – mit neuen Kompetenzen und neuen Perspektiven. Gleichzeitig wird Südtirol auch für internationale Talente immer attraktiver. Dieser Austausch von Erfahrungen, Kulturen und Sichtweisen ist eine große Chance. Das gilt sowohl für unser Unternehmen als auch für unser Land.

Wenn wir weiterhin in diese Bereiche investieren, wird Bozen auch künftig ein Ort sein, an dem Innovation entstehen kann, der talentierte Menschen anzieht und ihnen gute Gründe liefert, die Zukunft hier aufzubauen.

Bild: Ruth Oberrauch, Courtesy Oberalp