deu

Spaziergänge in nächster Nähe des ZentrumsEin Herbst voller Farben

Die Umgebung von Bozen lädt zu zahlreichen Herbstwanderungen ein. Besonders empfehlenswert sind zwei Ausflüge, die Naturerlebnis und Kultur bei bequemer Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln verbinden. 

Die einfachere Route, die auch mit Kinderwagen gut begehbar ist, führt von Oberbozen über Maria Himmelfahrt nach Klobenstein und zurück – oder umgekehrt. Es handelt sich um die sogenannte Freud-Promenade. Im Mai 2006 wurde anlässlich des 150. Geburtstags von Sigmund Freud der bereits bestehende Wanderweg Nr. 35 erneuert und dem Begründer der Psychoanalyse gewidmet, der mit seiner Familie mehrfach in Klobenstein zu Gast war. 

Entlang des Weges laden 13 Bänke dazu ein, innezuhalten und über Aphorismen aus Freuds Schriften nachzudenken. Nachdem man an einigen Häusern, darunter mehrere traditionelle Bauernhöfe, vorbeispaziert ist, zeigt sich die Natur in ihrer ganzen Vielfalt: reife Holunderbeeren, Himbeeren und Aprikosen säumen den Weg, während sich im Hintergrund ein beeindruckendes Panorama auf das Schlernmassiv und auf den Rosengarten eröffnet. Der Weg, besser: die Freudpromenade, führt durch einen lichten Wald bis nach Klobenstein. Für den Rückweg bietet sich die Rittner Bahn an, die bis zur Bergstation der Rittner Seilbahn fährt und so eine Rückkehr nach Bozen ganz ohne Auto ermöglicht. 

Etwas neuer und anspruchsvoller ist dagegen der Themenweg durch die Marterloch-Schlucht zwischen Jenesien und dem Sarntal. Seit 2024 überspannt eine spektakuläre Brücke die Schlucht des Marterbachs und bietet ein außergewöhnliches Wandererlebnis. Ursprünglich wurde die 272 Meter lange und bis zu 130 Meter über dem Boden verlaufende Konstruktion als Wasserleitung errichtet, um Wasser für landwirtschaftliche Zwecke auf das Hochplateau von Jenesien zu transportieren. Seit einigen Jahren ist die Marterloch-Brücke zugleich eine touristische Attraktion und ein wichtiger Impuls für die lokale Wirtschaft. 

Der Themenweg verläuft entlang bestehender Wanderwege durch eine Kulturlandschaft, die über Jahrhunderte nahezu unverändert geblieben ist. An insgesamt 21 Stationen werden geologische, historische, landwirtschaftliche und technische Besonderheiten erläutert. Die Route folgt der alten Saumstraße, die als einzige Verbindung Bozen mit dem Sarntal verband. Man bewegt sich damit auf den Spuren von Händlern, Bauern und Reisenden vergangener Zeiten, die diesen Weg unter großen Mühen zurücklegten. 

Die beiden Haupteinstiege in Pontigl (Sarntal) und Afing (Jenesien) befinden sich in unmittelbarer Nähe gut angebundener Bushaltestellen. An Werktagen verkehren die Busse im Halbstundentakt, an Sonn- und Feiertagen stündlich. Dadurch lassen sich auch diese Wanderungen bequem ohne Auto direkt von Bozen aus unternehmen. Der Fußweg bis zur Brücke dauert von beiden Seiten jeweils etwa eine Stunde. 

So entsteht eine gelungene Verbindung von Landwirtschaft, Landschaftspflege und nachhaltigem Tourismus, ohne zusätzliche Belastungen für die Bevölkerung oder die Umwelt zu verursachen. 

Bild: Marterloch, Courtesy Südtiroler.info