Drei außergewöhnliche Frauen, drei Straßen: Angela Nikoletti, Maria Delago und Maria Winkelmann
01. November 2026
Drei außergewöhnliche Frauen, drei Straßen:Angela Nikoletti, Maria Delago und Maria Winkelmann
Bozen benennt immer mehr Straßen nach bedeutenden Frauen – es gibt auch einiges nachzuholen, denn zurzeit sind nur knapp dreißig von insgesamt etwa vierhundert Straßen und Plätzen nach herausragenden Frauen benannt. Lässt man die fünf religiösen Persönlichkeiten außer Acht, erinnern die Straßennamen an Politikerinnen, Widerstandskämpferinnen, Wissenschaftlerinnen, Adelige und Erzherzoginnen, die die Geschichte, Kultur und das Leben der Stadt nachhaltig geprägt haben. Es sind Frauen, die in vergangenen Jahrhunderten ungewöhnliche Wege beschritten haben, oder die im vergangenen Jahrhundert für ihre politischen Überzeugungen und ihr gesellschaftliches Engagement oftmals sogar mit dem Leben bezahlten.
Eine besonders bewegende Geschichte ist jene von Angela Nikoletti, die am 31. Mai 1905 in Margreid an der Weinstraße geboren wurde. 1922 besuchte sie das erste Jahr der Lehrerbildungsanstalt in Zams im österreichischen Tirol. Nach einem Ferienaufenthalt in der Heimat südlich des Brenners untersagten ihr die faschistischen Behörden die Fortsetzung ihrer Ausbildung in Österreich. Erst später konnte sie das zweite Studienjahr absolvieren. Aufgrund der politischen Verhältnisse in Südtirol war es Angela Nicoletti jedoch nie möglich, ihren Beruf im Schuldienst auszuüben, denn 1925 wurde der private Deutschunterricht verboten. Doch es formierten sich sogenannte Katakombenschulen. Um die deutsche Sprache und die lokale Kultur zu bewahren, unterrichtete Nicoletti heimlich rund 30 Kinder in ihrem Haus in Kurtatsch. Nachdem sie entdeckt und angezeigt worden war, wurde sie verhaftet und in Neumarkt inhaftiert. Im Gefängnis erkrankte sie an Tuberkulose. Nach schwerem Leiden starb sie im Alter von nur 25 Jahren. Der Platz, der an sie erinnert, befindet sich im Stadtteil Oberau-Haslach.
Ebenfalls zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts, genauer gesagt 1902, wurde Maria Delago als zweites von fünf Geschwistern in Glurns geboren. Ihr künstlerisches Talent wurde ihr in die Wiege gelegt: Der Vater malte und zeichnete gerne, ihre Mutter Rosa verzierte Möbel. Schon während ihrer Schulzeit zeigte Maria Delago ihr außergewöhnliches Können als Künstlerin und Schriftstellerin. 1916 schloss sie die Bürgerschule in Meran mit ausgezeichneten Noten ab und erwarb anschließend ein Befähigungszeugnis als Erzieherin. Ihre Leidenschaft führte sie jedoch an die Kunstgewerbeschule in Wien.
Bereits 1925 erhielt sie einen Preis für ein Madonnen-Gemälde. Später zog sie nach Bozen-Gries und richtete in der Museumstraße ein kleines Atelier ein. Ihre ersten Arbeiten schmückten schon bald die Bozner Bürgerhäuser. In den 1930er-Jahren vertiefte sie ihre Studien in den Niederlanden und in München. Ihr Hauptarbeitsgebiet war die Bildhauerei mit Ton und glasierter Keramik; darüber hinaus arbeitete sie mit Bronze und widmete sich dem Zeichnen, der Malerei und der Radierung. Ihre Werke sind bis heute in Kirchen, Museen und öffentlichen Gebäuden Südtirols und Tirols zu finden. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte sie außerdem zu den ersten Mitgliedern des Südtiroler Künstlerbundes. Sie starb 1979 im Alter von 77 Jahren in Brixen. Maria Delago ist ein kleiner Platz an der Kreuzung Vintlerstraße-Bindergasse gewidmet.
Ein Blick in eine weiter zurückliegende Epoche führt zu der Wissenschaftlerin Maria Winkelmann, die am 25. Februar 1670 in Panitsch bei Leipzig im damaligen Kurfürstentum Sachsen geboren wurde. Schon früh wurde sie von ihrem Vater, einem lutherischen Pfarrer, unterrichtet, der an eine gleichberechtigte Bildung für Mädchen und Jungen glaubte. Mit 13 Jahren verlor sie beide Elternteile. Ihre Ausbildung setzte sie unter der Betreuung ihres Onkels Justinus Toellner fort. Maria Winkelmann interessierte sich bereits in jungen Jahren für Astronomie und erhielt die Möglichkeit, Schülerin und Assistentin von Christoph Arnold Sommerfeld zu werden, der als „Bauernastronom“ weitum bekannt war. Ihre Forschungsarbeit führte 1683 zur Entdeckung eines Kometen. Ihr ist heute eine Straße im südlichen Industriegebiet gewidmet.
Bild: Angela Nikoletti Straße, Courtesy @WhereWeBelongBZ