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Spannende Termine: Bozen und Kunst. Ausstellungen, die man nicht verpassen sollte 

Das Museum für moderne und zeitgenössische Kunst, das Museion, zeigt bis Mitte März 2027 die große europäische Retrospektive mit Arbeiten des Künstlers Rammellzee (1960–2010), Es ist eine der radikalsten und kaum klassifizierbaren Figuren der New Yorker Kulturszene der 1980er-Jahre. Mehr als 150 Werke erschließen das Universum eines Künstlers, der Sprache in Material, Buchstaben in kämpferische Formen und das Alphabet in ein Instrument des Widerstands verwandelt hat. Als Künstler, Theoretiker, Bildhauer, Performer und Master of Ceremonies bewegte sich Rammellzee zwischen Graffiti, Hip-Hop und zeitgenössischer Kunst, ohne sich einer dieser Kategorien zuordnen zu lassen. 1979 formulierte er zwei Theorien, die seine Arbeit über mehr als drei Jahrzehnte prägen sollten: Gothic Futurism und Iconoclastic Panzerism. Seine Grundannahme war radikal: Wenn Sprache ein Instrument der Kontrolle ist, müssen auch die Buchstaben neu gedacht, verformt und befreit werden. Diese Vision bildet den Ausgangspunkt von „Time“, kuratiert von Hugo Vitrani und Cédric Fauq, mit einem Ausstellungsdesign von Pascal Rodriguez. 

Darüber hinaus erinnert die Stadt in diesem Jahr mit einer Reihe von Veranstaltungen an ihren ehemaligen Bürgermeister Julius Perathoner, der 1926 verstorben ist. Er war der am längsten regierende Erste Bürger der Stadt. Das Stadtmuseum zeigt in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv und dem Museumsverein Bozen Objekte, Dokumente und Fotografien aus den eigenen Beständen und aus Privatsammlungen und eröffnet damit Einblicke in Leben und Wirken Perathoners. Er war von 1895, dem Jahr seiner ersten Ernennung, bis 1922 Bürgermeister, als ihm das Amt durch einen Erlass des italienischen Königs entzogen wurde. 1849 in Dietenheim bei Bruneck geboren, war Perathoner ab 1872 als Rechtsanwalt in Bozen tätig und gehörte seit 1893 dem Gemeinderat an. In seine Amtszeit fiel eine umfassende Modernisierung der Stadt. Um die Jahrhundertwende entstanden drei bis heute bestehende Schulen, das neue Rathaus, das zwischen 1902 und 1904 errichtete Stadtmuseum sowie das Stadttheater, das im Zweiten Weltkrieg durch Bombenangriffe schwer beschädigt und später abgerissen wurde. Zu seinen weiteren Leistungen zählten die Elektrifizierung des Stadtzentrums, zwei Straßenbahnlinien nach Gries und Branzoll sowie die Seilbahn nach Kohlern (sie war die weltweit erste Seilbahn zur Personenbeförderung), und die Zahnradbahnen auf den Bergrücken Virgl und auf den Ritten. Auch die Trinkwasserversorgung wurde erheblich ausgebaut, nicht zuletzt durch die Eingemeindung von Zwölfmalgreien im Jahr 1911. 

In der Fondazione Antonio Dalle Nogare ist noch bis Ende 2028 die Ausstellung Primary Structures / Multiple Systems:  60 Years of Minimalisms zu sehen. Das Ausstellungsprojekt würdigt und beleuchtet das Erbe des Minimalismus und seinen Einfluss auf die zeitgenössische Kunst anhand ausgewählter Werke aus der Sammlung, 60 Jahre nach der wegweisenden Ausstellung Primary Structures: Younger American and British Sculptors, die 1966 im Jewish Museum in New York stattfand. Die von Kynaston McShine kuratierte Ausstellung machte Künstler wie Donald Judd, Carl Andre, Dan Flavin, Robert Morris und Sol LeWitt bekannt und führte ein neues Verständnis von Skulptur ein, das auf formaler Reduktion, Serialität und Objektivität beruht. 

Primary Structures / Multiple Systems untersucht, wie dieses geometrische Vokabular von nachfolgenden Künstlergenerationen aufgenommen, verändert und schließlich auch infrage gestellt wurde und sich zu einem Instrument entwickelte, mit dem sich die komplexen Systeme der heutigen Wirklichkeit entschlüsseln lassen. Der Rundgang führt durch verschiedene Ausstellungsbereiche, durch das Erdgeschoss einschließlich einer Black Box und den ersten Stock. Dabei verbindet er die öffentliche mit der privaten Sphäre und vereint internationale Künstlerinnen und Künstler, darunter Andrea Fraser, Fabio Mauri, Mario Garcia Torres, James Turrell und Nairy Baghramian. Das Projekt erweitert die Grenzen der minimalistischen Formensprache durch künstlerische Praktiken, die Institutionen, Erinnerung, Identität, Ökologie und Machtstrukturen hinterfragen. So entsteht ein Zusammenspiel von Licht, Raum, Zeit und Gesellschaftskritik. 

Bild:  RAMM:ELL TIME:LINE, Courtesy Mimmo Laera